Rutschhemmung: Was R9 bis R13 bedeuten
Wie die R-Klassen gemessen werden, was die Barfuß-Klassen A bis C sagen und welcher Wert in Bad, Dusche und auf der Terrasse sinnvoll ist.
Wie die R-Klasse entsteht
Die R-Klasse stammt aus einem Prüfverfahren nach DIN 51130. Eine Prüfperson mit Sicherheitsschuhen geht auf einer Rampe aus den zu prüfenden Fliesen vor und zurück. Die Fläche ist mit Motoröl bestrichen, und die Rampe wird langsam steiler gestellt, bis die Person ins Rutschen kommt. Der Neigungswinkel, bei dem das passiert, bestimmt die Klasse.
Je größer der Winkel, desto höher die Klasse:
- R9: 6 bis 10 Grad
- R10: über 10 bis 19 Grad
- R11: über 19 bis 27 Grad
- R12: über 27 bis 35 Grad
- R13: über 35 Grad
Gedacht ist die Prüfung für Arbeitsräume, in denen Schuhe getragen werden und Fett oder Öl auf den Boden kommen kann, etwa Großküchen oder Werkstätten. Dort legen die Regeln der gesetzlichen Unfallversicherung fest, welche Klasse ein Boden mindestens haben muss.
Barfuß gilt eine eigene Prüfung
Für nasse Barfußbereiche gibt es eine zweite Norm, die DIN 51097. Hier geht die Prüfperson barfuß, und statt Öl wird Wasser mit Seifenzusatz verwendet. Daraus ergeben sich drei Klassen:
- A: ab 12 Grad, für überwiegend trockene Barfußbereiche wie Umkleiden
- B: ab 18 Grad, zum Beispiel für Duschen und Beckenumgänge
- C: ab 24 Grad, zum Beispiel für Treppen ins Wasser und geneigte Beckenränder
Eine Fliese kann beide Angaben tragen, zum Beispiel „R10 · barfuß B“. Für Bad und Dusche zu Hause ist die Barfuß-Klasse oft die aussagekräftigere, weil man dort selten Schuhe trägt.
Was in der Wohnung sinnvoll ist
Für private Räume schreibt keine Norm eine Rutschklasse vor. Die Werte sind eine Orientierung. Aus unserer Erfahrung haben sich diese Klassen bewährt:
- Wohnräume, Schlafzimmer, Flur: keine Anforderung, R9 reicht; auch polierte Fliesen sind möglich.
- Küche: R9, bei viel Kochbetrieb R10.
- Badboden: R9 als Untergrenze, vor Wanne und Dusche besser R10 oder barfuß B.
- Bodengleiche Dusche: R10 mit barfuß B, besser R11 mit barfuß C. Kleine Formate geben durch die vielen Fugen zusätzlich Halt.
- Balkon, Terrasse, Außentreppe: R11, weil Regen, Laub und Frost dazukommen.
Leben Kinder oder ältere Menschen im Haushalt, lohnt sich im Bad eine Klasse mehr. Badvorleger mit rutschfester Unterseite helfen zusätzlich, ersetzen aber keinen griffigen Boden.
Mehr ist nicht immer besser
Eine höhere Rutschklasse bedeutet eine rauere Oberfläche. Sie hält besser, nimmt aber auch Schmutz leichter auf und braucht beim Putzen mehr Mühe. Ein R12-Boden im Badezimmer wäre unpraktisch. Wählen Sie deshalb die Klasse, die der Raum braucht, und nicht die höchste, die es gibt.
Polierte und hochglänzende Fliesen haben meist keine oder nur eine niedrige Rutschklasse. Sie gehören an die Wand oder in trockene Wohnräume. Eine satinierte, also seidenmatte Oberfläche liegt dazwischen: Sie schimmert, ist aber weniger glatt als Hochglanz.
Raue Grip-Oberflächen reinigen Sie am besten mit einem Reiniger für Feinsteinzeug und einem Schrubber; ein glatter Wischmopp bleibt an der Struktur hängen.
So finden Sie die Angaben im Shop
Bei jeder Fliese stehen R-Klasse und Barfuß-Klasse in den technischen Daten, und im Shop filtern Sie nach „ab R9“, „ab R10“ oder „ab R11“. Steht dort „auf Anfrage“, liegt uns noch kein geprüfter Wert vor. Solche Fliesen empfehlen wir für den Badboden erst, wenn der Wert bestätigt ist.
Für Arbeitsstätten, Praxen, Läden oder Gastronomie gelten die Vorgaben der gesetzlichen Unfallversicherung. Klären Sie die nötige Klasse dort mit Ihrem Planer oder Architekten.
Unsere Ratgeber geben einen Überblick und ersetzen keine Fachplanung und keine Rechtsberatung.